Plötzlich ist alles anders …

Liebe Schwestern und Brüder in den Gemeinden unseres Pastoralverbundes!

Plötzlich ist alles anders – wie häufig müssen wir das so sagen und feststellen. Ein schweres Erdbeben zerstört in kurzer Zeit eine Stadt – viele Menschen sterben unter den Trümmern eingestürzter Häuser, verlieren ihr Zuhause, ihr Hab und ihr Gut und viele ihre liebsten Menschen. Ein Erdbeben verbreitet Tod, Hilflosigkeit, Trauer, Angst und Sorge. Plötzlich ist alles anders, nach einer unerwarteten Diagnose durch den Arzt, wenn im Krankenhaus operiert werden muss und die Krankheit einen ungewissen Verlauf nimmt. Plötzlich ist alles anders – wenn die Firma schließt, die Kün-digung kommt, langjährige Partner sich trennen und eigene Wege gehen.

Plötzlich ist alles anders, so sagten sich auch die Freunde Jesu nach seinem gewaltsamen Tod am Kreuz. Ihr Lehrer und Weggefährte, ihr Freund und ihr Bruder war nun nicht mehr da. Seine Worte waren nicht mehr zu hören, seine Taten nicht mehr zu sehen. Ihnen fehlte die Inspiration und Motivation aus seiner Gegenwart und Nähe. Mit dem Leichnam Jesu legen sie auch alle ihre Hoffnungen, alle ihre Pläne für eine gute gemeinsame Zukunft mit in das Felsengrab und verschließen es mit einem großen Felsbrocken, der mit der Kraft eines einzelnen Menschen allein nicht bewegt werden kann. Und sie bleiben allein zurück in ihrer Trauer und in ihrer Angst, Opfer weiterer Gewalt und Angriffe zu werden.

Erst nach und nach, lernen sie, mit ihrer neuen Situation zu leben. Sie lernen, die Worte des Engels von der Auferstehung und vom Leben zu verstehen. Es braucht Zeit, sich der Botschaft des Ostermorgens zu nähern und in ihr Trost und die Möglichkeit neuer Zukunft zu finden: Jesus ist auferstanden und lebt, und mit ihm stehen wir auf und leben. Und mit der Zeit gewinnen die vielen Worte, die Jesus seinen Freunden gesagt hat, ihre alte Kraft zurück, bekommen einen neuen Klang und einen neuen Sinn, hallen kräftig und sinnvoll wider in ihren Herzen. Und auch seine Taten wirken kräftig nach. Zu Ostern, dem großen Fest der Befreiung und des Lebens, wünschen wir den vielen leidgeprüften Menschen dieser Erde wirksame Hilfen und Trost, wir wünschen ihnen die Erfahrung, dass es weitergehen kann und weitergehen wird. Wenn plötzlich alles anders ist – wünschen wir uns die Kraft der zwei Jünger von Emmaus: Das Erleben guter Weggemeinschaft, die Erfahrung hilfreichen gegenseitigen Zuhörens, damit das Herz brennen kann in neuer Hoffnung und neuer Zuversicht und wir Jesus bei uns wissen im gemeinsamen Brotbrechen, im heiligen Mahl der Eucharistie.

Wünschen wir uns und allen unseren Lieben zu Ostern gute Gemeinschaft mit dem Auferstandenen und dem Lebendigen!

Gesegnete Ostern!
Ihr Pastor
Thorsten Neudenberger